Presse

25.04.2023

Mit dem Regensburger Künstler Günter Kempf auf der „Schatzinsel“

Von Michael Scheiner, MZ

DISTELHAUSEN. In der Galerie Carola Insinger, idyllisch am Ufer der Naab gelegen, sind etliche von Günther Kempfs seeuntauglichen Wasserfahrzeugen vor Anker gegangen. Die Ausstellung läuft bis 25. Juni.

Als Esoteriker lässt sich der Regensburger Künstler Günther Kempf unter keinen Umständen einordnen. Sonst käme vielleicht jemand auf den abwegigen Gedanken Kempf sei eine Wiedergeburt des gleichnamigen Hamburger Schiffbauingenieurs, weil Boote und Schiffe zu seinen bevorzugten Motiven gehören.

In der idyllisch gelegenen Galerie von Carola Insinger in Distelhausen im Landkreis Regensburg stehen, hängen und schweben aktuell etliche von Kempfs seeuntauglichen Wasserfahrzeugen. Seine zusammengenagelten Segelschiffe und altertümlichen Piratenfregatten würden in der nahen Naab bald untergehen, wie Kunsthistorikerin Carolin Ebeling in ihrem Eröffnungsvortrag zu „Treasure Island“ sagte.

„Long John Silver“ grüßt am Eingang
Titel und Inhalt der Ausstellung beziehen sich auf den Abenteuerroman „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson. 1883 erstmals erschienen, zählt es zu Kempfs Lieblingsbüchern und lieferte ihm genügend Stoff für Zeichnungen, Aquarelle und Tafelbilder – und für liebevoll aus Abfallmaterial geschaffene Plastiken.

Im Eingang der Galerie stößt man auf „Long John Silver“. Der geradezu monumentale Schriftzug mit dem Namen des einbeinigen Schiffskochs prangt auf orange-weißem Schachbrettmuster, darüber die Zeile „I don’t believe they knew / That I was Long John Silver“ aus einem Song von Jethro Tull. Zitate aus Comics oder Songs, das Aufgreifen trivialer Themen und Bezüge zur Popkultur gehören schon langezu Kempfs bevorzugten Techniken. Die schachbrettartig angeordneten Farbfelder, prägend für weitere Bilder mit Schrift- und Namenszügen, verweisen auf den irisch-amerikanischen Künstler Sean Scully. Der wurde zunächst für sein Hard-Edge-Painting und später für Minimalismus bekannt, wie Ebeling ausführte.

Bei Kempf findet sich eine ähnliche Verbindung von Minimalismus und Expressivität in den neuen Bildern, die sich in Farbigkeit und Bildaufbau an Scully anlehnen. Es gibt aber auch deutliche Unterschiede, denn Kampf malt auf einer Komposition aus Zeitungsschnipseln. Die daraus entstandene Collage scheint in vielen Bildern durch und verbindet sich mit Farbsprache und Wortmarken zu einer eigenwilligen Interpretation. So entfaltet sich ein künstlerisches Geflecht, das mit lakonischer Ironie einer Welt voller Erinnerungen, melancholischer Gefühle und geisterhafter Erscheinungen nachspürt.

Kempfs Schatzinsel-Ausstellung findet im Rahmen der landkreisweiten Reihe „Zeitenwende“ statt. Ergänzend zu Ebelings Vortrag las Schauspielerin und Sängerin Eva Sixt aus Robert Louis Stevensons Klassiker und frischte die Erinnerung vieler Besucher auf.

Auf die Frage von von Galeristin Carola Insinger ans Publikum, was es denn Schöneres für eine Galerie gebe, als der Besuch vieler Menschen, intervenierte Günther Kempf, die Hauptperson, mit typisch lakonischer Prägnanz: „Käufer!“

„Treasure Island“ ist bis 25. Juni (Freitag bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr) zu sehen.

Quelle: Mittelbayerische Zeitung , Artikel und Fotos

Eines der poetischen, aber seeuntauglichen Wasserfahrzeuge von Günther Kempf, zu sehen ind er Galerie Carola Insinger in Distelhausen bei Pielenhofen. − Foto: Michael Scheiner

Eines der poetischen, aber seeuntauglichen Wasserfahrzeuge von Günther Kempf, zu sehen ind er Galerie Carola Insinger in Distelhausen bei Pielenhofen. − Foto: Michael Scheiner

Foto: Michael Scheiner

Foto: Michael Scheiner

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