Presse

14.12.2025

Lost Places und Mangabärchen: Abwechslungsreiche Winterausstellung bei Insinger

Galeristin Carola Insinger bereitet bei ihrer Winterausstellung sieben Männern die Bühne. Die zeigen eine große Bandbreite: Skulptur, Malerei, Fotographie und sogar Hinterglasbilder und Mangas.

Von Michael Scheiner, MZ

Im kühlen Vorraum steht eine kräftige Frau in Unterwäsche und Netzstrümpfen auf einem Sockel aus Holz. Mit wachen Augen schaut sie skeptisch auf alle, die durch die Glasschiebetür eintreten. Bei den wenigsten kommen wohl erotische Gefühle auf, wenn sie die pralle Posierende sehen und an die nasskalte Witterung denken. Vielmehr mag es den einen oder anderen schaudern ob der luftigen Bekleidung von Helmut Wolfs Brünetter, die in der Galerie Carola Insinger Hereinkommende in roten Pumps begrüßt.

Krokodil, Hirsch und grinsendes Bärchen
Ihr gegenüber hängen vier weitere von Wolfs entspannt wartenden Figuren vor einem hölzernen Jalousienmuster an der Wand. Kennt man diese bemalten Menschlein, ebenso wie Günther Kempfs Zeichnungen und großformatige Tim-und-Struppi-Bilder schon von anderen Ausstellungen, überrascht der Beratzhausener Matthias Schlüter mit Hinterglasarbeiten und Motiven aus der japanischen Mangakultur.

In dynamischen Formen, die an seine maritimen Bilder erinnern, die er vor zwei Jahren an gleicher Stelle präsentierte, tummeln sich boshaft grinsende Teufelchen, jagende Fische, Fußballkicker und Comicbärchen neben einer Pagodenform auf einem schmalen Hochformat. Ein nacktes Bein, ein wütendes Gesicht, das von oben hereinfaucht, ein Krokodil, Hirsch und ein Arm, der ein grinsendes Bärchen fangen will. Alle Figuren und Details sind gleichberechtigt, keines dominiert. Dennoch stehen sie untereinander in Beziehung, symbolisiert durch schriftartige Zeichen und schwungvolle Bewegungsmuster.

Von einer anderen Reise hat Schlüter Skizzen afrikanischer Frauen und Männer mitgebracht und im Atelier zu farbenprächtigen Gruppen zusammengeführt. Eine eigenwillige Note erfahren sie, wenn sie mit gemeinsam mit Wildtieren im gleichen Farbton und Fleckenmuster abgebildet sind. Eine mythische Anspielung – oder wird die ambivalente Floskel vom Einssein oder Leben mit der Natur bemüht? Mythen bedient sich Schlüter auch in zwei prächtigen Hinterglasbildern mit historisch anmutenden Szenerien aus Japan oder China.

Bemoost und überwuchert
Verwunschen muten zwei Arbeiten des Lost-Places-Fotokünstlers Peter Untermaierhofer aus Eggenfelden an. Bemooste und überwucherte Bauwerke, wie eine gläserne Therme, ruhen umgeben von Bäumen und einer Lichtung und scheinen davon zu träumen wieder belebt zu werden. Bewacht werden sie bis dahin von einer kleinen mit Speer bewaffneten Figur von Rudi Weichmann. Dieser Hüter oder Wächter steckt in einem Granitsockel fest und ist offensichtlich von afrikanischer Kunst inspiriert, wie man es ähnlich von Arbeiten Picassos und anderen Lichtfiguren der klassischen Moderne kennt.

Neben den zierlichen, federleichten Booten und Flugobjekten Stefan Gölers, die einem beim Rundgang um den Kopf schwirren, wirkt Weichmanns Bronzefigur ein wenig verloren in der Ausstellung. Als männliche Gruppenschau Kunstschaffender, die bereits einzeln ausgestellt haben, sind zudem Heiko Hermann mit dynamisch-kraftvollen Werken, und der BBK-Vorsitzende Georg Tassev mit Porträts vertreten.

Die Winterausstellung ist bis 14. Februar in der Galerie Carola Insinger, Distelhausen (Kreis Regensburg) zu sehen. Die Galerie ist an Samstagen und Sonntagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet sowie nach Vereinbarung.

Quelle: Mittelbayerische Zeitung , Artikel und Fotos

Fotokünstler Peter Untermaierhofer zeigt einen „Lost Place“, Rudi Weichmann eine Wächterfigur aus Bronze. - Foto: Michael Scheiner

Fotokünstler Peter Untermaierhofer zeigt einen „Lost Place“, Rudi Weichmann eine Wächterfigur aus Bronze. - Foto: Michael Scheiner

via Facebook teilen
www.i-dreams.de – i-dreams IT-Dienstleistungen & WebServices