Presse

22.10.2018

Bericht von der Vernissage

J. Maierhofer und R. Heimerl in der Galerie Distelhausen

Von Peter Burkes, Regensburger Tagebuch

Dies ist ein Bericht über die Eröffnung der Ausstellung am 19.10.2018 in der Galerie Distelhausen. Ausstellende Künstler: Johann Maierhofer und Renata Heimerl.

Die Laudatio sprach die Künstlerin Renate Christin. Ihre Rede enthielt viele wichtige Informationen über die beiden ausstellenden Künstler und die Werke, so dass ich Frau Christin gefragt habe, ob sie mir den Originaltext überlässt. Diesen habe ich am Ende des Artikels abgedruckt.

Ich werde diesen Text nur um ein paar zusätzliche eigene Eindrücke ergänzen.

Von links: Galeristin Carola Insinger; Künstler Hans Maierhofer, Künstlerin  Renata Heimerl; Laudatorin Renate Christin Foto: Burkes

Von links: Galeristin Carola Insinger; Künstler Hans Maierhofer, Künstlerin Renata Heimerl; Laudatorin Renate Christin Foto: Burkes

Laudatorin Renate Christin Foto: Burkes

Laudatorin Renate Christin Foto: Burkes

Künstler Hans Maierhofer, Künstlerin Renata Heimerl Foto: Burkes

Künstler Hans Maierhofer, Künstlerin Renata Heimerl Foto: Burkes

Renata Heimerl

Die Werke der aus Prag stammenden Künstlerin Renata Heimerl habe ich an diesem Tag zum ersten Mal im Original gesehen. Bisher sah ich nur einige Bilder anlässlich von Veranstaltungshinweisen oder im Internet.

Zu sehen waren nur wenige Ölbilder und ansonsten Tuschezeichnungen. Alle haben mich überzeugt., insbesondere was Komposition und Technik betrifft. Frau Heimerl malt angeblich ganz überwiegend konkret, das im Eingangsraum aufgehängte Bild, das ausnahmsweise abstrahiert ist, hat mir aber ganz besonders gefallen und erinnert mich an die leuchtend-transparente Malweise von William Turner erinnert, die ich liebe und die ich selbst in der Fotografie nachahme.

Die Zeichnungen haben mich besonders überrascht und beeindruckt, und zwar wegen der Zeichentechnik, über die es dann auch ein interessantes Video zu sehen gab. Die Technik mit akribisch feinen Linienfragmenten eine Flächenstruktur zu zaubern erinnerte mich an die Experimente von Jean Dubuffet, für den ich mich seit Jahrzehnten begeistere. Folgendes Beispiel zeigt, was ich meine:

Foto: Burkes

Foto: Burkes

Renata Heimerl Foto: Burkes

Renata Heimerl Foto: Burkes

Auch die Regensburg-Motive sind erfrischend anders als die üblichen Zeichnungen, die ich sonst erlebe – einmal wegen dieser Zeichentechnik, zum anderen, weil die Darstellungen künstlerisch sind und nicht bis ins letzte Detail originalgetreu (sozusagen fotorealistisch, sofern man das bei Zeichnungen sagen kann).

Mehr über die die Künstlerin, warum sie auf Zeichnungen umsteigen musste, und ihre Geschichte finden Sie in der Laudatio am Ende dieses Artikels.

Johann Maierhofer

Nun zu Hans Maierhofer. Er ist als Kalligraph bekannt und mittlerweile gibt es schon Schüler von ihm, die ausstellen. Ich lernte ihn im Jahr 2009 zufällig auf der Burg in Kallmünz kennen und habe über die Jahre hinweg seine Ausstellungen verfolgt. An dem Tag in Kallmünz erfuhr und sah ich auch, dass er riesige kalligraphische Darstellungen an Hauswänden beherrscht – was schon aus technischen Gründen nicht einfach ist. Aus Wikiepdia erfuhr ich auch, dass er Auftragsarbeiten, wie die kalligrafische Gestaltung eines Meditationslabyrinthes in Schloss Spindlhof oder die Fassadengestaltung des Künstlerhauses in Kallmünz durchführte.

Was ich mir entgangen war und mich an diesem Abend in der Galerie Distelhofen überrascht hat, war die Tatsache, dass er über die Jahre hinweg auch Bücher geschrieben (und nicht nur illustriert) hat. Unter anderem das Buch “Sonnenschein”, bei dem Renata Heimerl Zeichnungen beisteuerte.

Ausgestellt sind (wirklich) lustige Texte aus der Oberpfalz, die ein wenig an die Vilser-Briefe von Ludwig Thoma erinnern, weil sie den Volksmund wieder geben.

Johann Maierhofer Foto: Burkes

Johann Maierhofer Foto: Burkes

Kalligraphischer Text auf Fassade von J. Maierhofer, Juni 2009 Foto: Burkes

Kalligraphischer Text auf Fassade von J. Maierhofer, Juni 2009 Foto: Burkes

Foto: Burkes

Foto: Burkes

Quelle: Regensburger Tagebuch , Artikel und Fotos

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Regensburger Tagebuch

Notizen von der nördlichsten Stadt Italiens

Weitere Fotos zu diesem Beitrag und interessante Artikel finden sie auf dem Blog von Peter Burkes.

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Laudatio

Johann Maierhofer und Renata Heimerl –
Galerie Insinger 20.-28. Okt. 2018

Von Renate Christin

Sehr geehrte Damen und Herren,

es gibt nichts persönlicheres als die eigene Handschrift und selten kann der Betrachter sagen, dass sie leserlich oder sogar schön ist. Kriminologen und Grafologen lesen selbst die intimsten Geheimnisse aus dem Geschriebenen heraus. Und schöngeschriebene Liebesbriefe, falls es die heutzutage noch gibt, sagen mehr als das gesprochene Wort.

In Wikipedia können Sie lesen: Kalligrafie ist die Kunst des „Schönschreibens“ von Hand (Chirografie) mit Federkiel, Pinsel, Filzstift oder anderen Schreibwerkzeugen. Die Kalligrafie steht im Gegensatz zur Typografie, dem Setzen mit vorgefertigten Formen. Im Schulfach Schönschreiben wird jedoch nicht Kalligrafieren unterrichtet, sondern leserliches Schreiben.

Nun gut, Johann Maierhofer ist eine Ausnahme. Wie das so ist, stellen sich besondere Fähigkeiten schon in der Schulzeit heraus und seine Buchstabenansammlungen in den Arbeitsheften waren eher grafische Illustrationen als das was die Lehrer/innen sonst bei den anderen Schüler/innen vorgelegt bekamen..

Während seines kurzen Berufslebens in der Gemeindeverwaltung hat er sein Talent u.a. schon für Plakatserien für den Tourismus und Urkunden für offizielle Anlässe einsetzen können.

Durch seine, damals schon erkennbaren Erfolge, hat er im Alter von 30 Jahren neben seinem Studium für Sozialwesen an der Akademie Schwerte zusätzlich noch Kalligrafie studiert.

Wenn man das weiß merkt man schon, dass sein Lebensweg ab da, wie man so schön sagt „in die Zielgerade“ einläuft.

Als Gast im Institut für Kunsterziehung in Regensburg studiert er bei Josef Mittlmeier und Professorin Birgit Eiglsberger.

Er gründet zwei Kalligrafiezirkel und hält seitdem bundesweit Kurse.

Das hört sich alles ein bisschen nach einem übervollen Leben an. Aber ganz so kann es nicht sein, denn bei Kalligrafie geht mit Hektik gar nichts. Die innere Ruhe und das Einfühlen in die Formen, die man zum Ausdruck bringen will, verlangen eine gewisse Gelassenheit. Ein sich Einlassen auf das Erkennen der Nähe und Distanz der einzelnen Buchstaben und Formen, das Auf und Ab der Feder oder des Pinsels.

Johann Maierhofer sagt dazu: „Kalligrafie ist Bewegung, Bewegung des Körpers und des Geistes, ausgedrückt mittels Gerade und Kreis in Raum und Zeit“

Aus seiner Vita möchte ich nur 2 wichtige Sachen herausnehmen. Nämlich, dass er bereits 4 Bücher zur Kalligrafie als alleiniger Autor publiziert und bei mehreren anderen mitgewirkt hat und dass er 2007 den Förderpreis des Bundes für deutsche Sprache und Schrift erhielt.

Damit komme ich zur Ausstellung hier in der Galerie Insinger:

Wenn Sie sich zurück erinnern an meinen Vermerk über seine Schulzeit und der Buchstabenansammlung, so ist das Mappenwerk über das Buchstaben ABC zu Werken der Mitglieder des Ostbayerischen Schriftstellerverbandes eine logische Folge. Jeder Buchstabe hat sein Schriftzeichen, aber versetzt mit den Ideen des Künstlers. Wie z.B. das Q, das das goldene Auge des Einhorns darstellt. Die Rundung des Q ist zum Zeichen der Wertschätzung durch Gold aufgewertet und hervorgehoben.

Nicht genug der künstlerischen Be- bzw. Verarbeitung: die dargestellten Sätze zu diesem Alphabet haben ihn zu einer neuen Geschichte inspiriert die absolut lesenswert ist.

Auch Jean Cocteau hat sich zum Thema ´Buchstaben´ Gedanken gemacht. Er sagt: „selbst das größte literarische Werk ist im Grunde nichts anderes als ein Alphabet in Unordnung.“ Wobei das mit der Unordnung sicher hinterfragt werden kann wenn man als Lehrer/in die Diktate der Schüler/innen zu korrigieren hat.

Teodore Caremole hat in der neunburger Druckerei 3 Bücher mit Anekdoten herausgegeben, die Johann Maierhofer hier auszugsweise widergibt. Ich kann mir gut vorstellen, dass der hintersinnige oberpfälzische Humor, der gut zu dem Thema der Ausstellung passt, nämlich „Urtümliche Oberpfalz“ den Künstler Johann Maierhofer inspiriert hat diese Blätter zu schreiben.

Kein Wunder, dass Christine Gesierich ihn gebeten hat ihre Kochbücher zu illustrieren. Auch darin sind urtümliche Speisen aus Omas Küche nachzulesen, bzw. nachzukochen.

Ja, und was bringt die beiden hier ausstellenden Künstler zusammen?

Dass Johann Maierhofer vielseitig ist und auch Romane schreibt ist Ihnen ja schon klar geworden. So hat er für seinen Roman „Sonnengeschichten“ jemanden gesucht, der/die seiner Vorstellung von Illustration größtmöglichst entspricht. Und gefunden hat er 2011 Renata Heimerl. So scheinbar einfach ist das.

Ich kannte Renata Heimerl bereits durch ihre Ausstellung in der Sporthalle in Wackersdorf. Ich mochte ihre Darstellungen der Frauen in vielen verschiedenen Fassetten und war gespannt auf das, was ich hier von ihr zu sehen bekomme.

Der Start für diese Ausstellung war, wie Sie schon ahnen, der Roman „Sonnengeschichten“ von Johann Maierhofer. Ihre Zeichnungen vom Kohlenmarkt, der Wurstkuchl, der Vitusstraße, dem Bismarkplatz und vom Don Juan d´Austria sind Beispiele dafür, dass Renata die Umgebung nicht nur gut sehen, sondern das Gesehene auch gut umsetzen kann.

Warum sie überhaupt zeichnet? Der Grund ist eine misslungene OP. Das Handgelenk ist kaputt und die Farbdosen zu öffnen ist eine Plage. Also stieg sie um auf Fineliner 0,3. Der ist leicht zu bedienen und bringt wieder ganz andere Möglichkeiten.

Beim Museum in Neunburg v. Wald hat sie sich mit 3 kleinen Zeichnungen beworben und ist angenommen worden. (diese Zeichnungen sehen Sie hier) Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 22 Motive von kleinen Kapellen und Kirchen plus eigene Kalligrafie.

Drei Portraits, von OB Joachim Wolbergs (Kohle) Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (Bleistift) und Bgmstr. der Gemeinde Pielenhofen, Reinhold Ferstl (Fineliner) beweisen, dass Renata Heimerl auch die Eigenheiten aus den Gesichtern ihrer portraitierten Personen herauslesen kann.

Besonders gefällt mir das Halbportrait einer jungen Frau. Fixe Striche, mal mit Druck gezeichnet, mal durch Loslassen pointiert. Unterbrochen ist die Linie nur durch die Struktur des Papiers. Und obwohl es immer ein und derselbe Strich ist schafft sie durch Überzeichnen Hell und Dunkel und damit eine perspektivische Landschaft des Gesichts.

Was sie nicht mag – sie sagt, nicht kann – ist die abstrakte Malerei. Sie sucht während der Versuche der Abstraktion immer wieder nach den ihr bekannten Formen und fühlt sich einfach wohler und verstandener in ihrer figurativen Malerei.

Sicher liegt es auch daran, dass sie schon als 12-jähriges Mädchen, auf Geheiß ihres Vaters, mit Ölfarben gemalt hat – malen musste! Und das ganz sicher nicht abstrakt.

Vielleicht hätte sie damals gerne etwas anderes gemacht, aber wenn man jetzt ihre Bilder sieht, merkt man, dass es keine Malerei ´seit ein paar Jahren´ ist, sondern, dass der Grundstock für ihr kreatives Geschick schon als Kind gelegt wurde.

Dazu kommt Privatunterricht bei Dr. Biza und dem hiesigen akademischen Maler Jan Kava. Obwohl sie sich nicht konform mit dem Regime verhält und dadurch nach dem Abitur nicht für ein Studium der Kunst zugelassen wird erhält sie etliche Preise in ihrer Alterskategorie.

1985 siedelt sie von Prag in die Oberpfalz, arbeitet als Bürokauffrau und wird Mutter und Ehefrau. Seit mehr als 20 Jahren ist sie für verschiedene Kulturträger als Maskenbildnerin tätig. Eigentlich logisch, dass dadurch in ihr die Liebe zur Kunst erwacht und dass sie 2003 mehr und mehr malt, bildhauert und Kalligrafie lernt. Die Anerkennung ihrer künstlerischen Arbeit macht Renata Heimerl selbstbewusster und freier und seit 2012 zeigt sie ihre Arbeiten auch vermehrt in der Öffentlichkeit. Sie hat bereits im Landkreis Cham, Regensburg, Schwandorf und in Pilsen und in der Schweiz ausgestellt.

Außer dem Landschaftsbild in dem man den Versuch des Abstrahierens herauslesen kann sind hier nur 2 Landschaftsbilder zu sehen, die in den letzten Jahren entstanden sind.

Diese sind dynamisch und doch mystisch, dabei lichtduchflutet und perspektivisch. Sie nimmt zwar die Primärfarben als Basis, aber selten ungemischt. Sie sagt, dass sie gerne mischt. Es gehört zum Prozess ihrer Malerei dazu sich nicht mit der erst besten Farbe zufrieden zu geben sondern auszuprobieren, nachzuforschen anzuschauen und abzuwägen, bis Alles seine Richtigkeit hat.

Und trotzdem ist sie sich sicher wenn sie sagt:

„Ich verstehe die Welt nicht. Ich muss sie auch nicht verstehen, aber ich fühle sie“.

Sehr geehrte Damen und Herren,

2 so verschiedene Künstler und doch haben sie sich gefunden und können nun schon über längere Zeit zusammen arbeiten und ausstellen.

Ich wünschen ihnen, dass das noch lange so bleibt und Ihnen wünsche ich viel Vergnügen beim Betrachten der ausgestellten Werke.

Renate Christin, 17.10.2018

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