PRESSE

27.05.2014

Hier gibt die Katze Audienz

Peter Wittmann stellt in der Galerie Carola Insinger in Distelhausen präsidiale Raubtierporträts aus. Elf Blätter zeigen Frauenköpfe.

Von Florian Sendtner, MZ

DISTELHAUSEN. „Der Mensch im Mittelpunkt.“ Haha! Die Propagandafloskel, über 100 Jahre alt, ist einfach nicht totzukriegen. Vom expressionistischen Menschheitspathos noch vor dem Ersten Weltkrieg bis zu PR-Prosa und Wahlplakaten heutiger Tage: Wo der Mensch im Mittelpunkt steht, da ist eigentlich immer was faul. Denn einerseits macht der pathetische Satz aus einer Selbstverständlichkeit eine Sensation. Und andererseits stimmt er einfach nicht so pauschal. Denn manchmal steht nun mal die Katze im Mittelpunkt.

So wie in der Ausstellung von Peter Wittmann in der Galerie Carola Insinger in Distelhausen. Das ist, von Regensburg aus gesehen, kurz vor Pielenhofen, ein wunderbarer Radlausflug an der Naab. Und dann am Ziel: Eine Ausstellung, die sich in erster Linie um die Katze dreht. Und das ist auch gut so. Schon ganz allein deshalb, weil man die Katze so oft porträtieren kann, wie man will, sie wird deshalb nicht eingebildet oder eitel, wie es ein Menschenmodell unweigerlich würde. Die Katze posiert. Und ignoriert den Zeichner oder Maler souverän. Eigentlich präsidiert sie mehr, als dass sie posiert. Very high sophisticated blickt sie schräg am Betrachter vorbei, unerforschlich wie eine Sphinx, mit aufgestellten Lauschern wie ein Luchs, und mit einem so feinen mephistophelischen Ernst um das zarte Raubtiermäulchen, dass man unwillkürlich an Joseph Ratzinger denkt.

Derartige Katzenerkenntnisse werden einem jedenfalls zuteil, wenn man in der Galerie in Distelhausen vor all den Pinselzeichnungen, Papierschnitten und handaquarellierten Radierungen steht, in denen Peter Wittmann der Katze huldigt. Ein entrücktes Wesen, das höheren Sphären anzugehören scheint. Das Landleben, transzendiert ins Zinnober-Orange: eine Pinselzeichnung wie ein erhabenes Denkmal.

Der Übergang zu den „IX Musen“ ist fließend, oder findet zumindest im gleichen Raum statt: ein Mappenwerk mit elf kleinformatigen Radierungen. Frauenköpfe, die durch ihre strichzeichnunghafte Simplifizierung einen mythischen Charakter und einen unentrinnbaren Charme haben. Ähnlich kunstvoll reduziert und verdichtet wie die drei Geisha-Holzschnitte, die die Ausstellung eröffnen.

Galerie Carola Insinger, Distelhausen bei Pielenhofen, bis 6. Juli , Fr., Sa., So. und Feiertage von 14 bis 18 Uhr und nach Absprache: 01 72/86 10 03 6

Quelle: Mittelbayerische Zeitung , Artikel und Fotos

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