PRESSE

11.06.2013

Ruhe und pulsierende Spannung

Zeichnungen und Skulpturen des Nabburger Künstlers Paul Schinner sind noch bis 21. Juli in der Galerie Insinger in Pielenhofen zu sehen.

Von Ulrich Kelber, MZ

PIELENHOFEN. Jetzt, im Abstand von rund 50 Jahren, hat sich Paul Schinner einige seiner frühen Arbeiten noch einmal vorgenommen, sie kritisch überprüft und überarbeitet. Informelle Malerei und Abstrakter Expressionismus haben den Künstler schon in den 60er Jahren beschäftigt. Die alten Blätter scheinen nun an Dichte und Intensität hinzugewonnen zu haben, feine Liniengefüge stehen im Kontrast zu dicken, schwarzen Tuschestreifen.

In einem „Werkstattgespräch“, das der Neue Kunstverein Regensburg veröffentlichte, beschrieb Paul Schinner seinen Reifeprozess: „Im Laufe der Jahre ist mein Urteilsvermögen gewachsen. Früher, in der Anfangszeit, da ließ ich so manches durchgehen. Heute brauche ich zu den Dingen Abstand. Es gibt Arbeiten im zeichnerischen Bereich, die werden innerhalb von ein paar Minuten fertig. Die sind sehr selten, aber da kann ich gleich sagen: das stimmt. Dann gibt es wieder Arbeiten, die muss ich liegen lassen. Abstand gewinnen, um es beurteilen zu können. Aber irgendwann ist das Bild so weit, dass es mir die Vorgaben macht. Es gibt eine Eigengesetzlichkeit im Entstehungsprozess, gegen die man nicht arbeiten kann.“ Wann „stimmt“ eine Zeichnung von Schinner? Wenn er den richtigen Rhythmus der Linien gefunden hat, wenn pulsierende Spannung und innere Ruhe sich die Waage halten, wenn die Dynamik des emotional geprägten Gestaltungsprozesses gebändigt wird und in ein Gefühl der Befreiung mündet.

76 Jahre alt ist Paul Schinner, der in Nabburg in dem von ihm restaurierten spätmittelalterlichen Dechant-Hof lebt. Bei der Ausstellung in Distelhausen überrascht der Künstler damit, dass ein Großteil der gezeigten Arbeiten ganz aktuell in den vergangenen Monaten entstanden ist. Die Formen sind konkreter geworden, menschliche Körper lassen sich oft eindeutig erkennen, mal als komplette Figur oder auch nur angedeutet als Torso, in den die sensiblen Bleistiftlinien wie Lebensspuren eintätowiert sind. In einigen Blättern tauchen sogar kräftige Acrylfarben auf, während sich sonst in den Arbeiten allenfalls ein paar dezente Blautöne finden oder die zerfließenden Linien durch eine Weißüberhöhung hervorgehoben werden. Wenn man die Stimmung in Schinners Bildern beschreiben will: Sie machen Mut, sie sind Hymnen an das Leben.

Quelle: Mittelbayerische Zeitung , Artikel und Fotos

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